Bourbon Cask. Deutscher Whisky. 57,5 Prozent. Klingt erst einmal nach einer klaren Ansage: Vanille, Holz, Wucht. Aber Pilz Whisky Edition 1 hat keinen Bock auf Schubladen.
Der riecht nicht wie ein klassischer Bourbonfass-Whisky. Der schmeckt auch nicht wie einer. Er kommt dunkel, erdig und massiv aus dem Glas. Wie ein feuchter Kornspeicher nach Regen. Wie Pumpernickel, das plötzlich Fassstärke hat. Und er bleibt. Nicht nur auf der Zunge. Auch im Kopf.
The Facts
Pilz Whisky Bourbon Cask Edition 1
Deutschland | NAS | 57,5 % Vol. | Ex-Bourbon Cask
Limitiert auf 60 handnummerierte Flaschen. Nicht kühlfiltriert. Natürliche Farbe. Dazu ein entscheidender Twist aus dem Gespräch mit Alex Pilz: Für den Whisky wird das volle Korn verwendet. Und genau das macht sich bemerkbar. Das Fass liefert nicht einfach nur Süße. Der Spirit bringt das Gewicht.
My Notes
Nose:
Erdig. Moosig. Kräftig.
Eine Nase, die ich so von keinem anderen Whisky kenne. Es ist, als würde man die Nase in ein frisch ausgeschüttetes, noch feuchtes Fass halten. Holz, Dunkelheit, Korn. Kein sauberer Vanille-Duft. Kein süßes Bourbon-Programm.
Dahinter blitzt kandierte Orange in dunkler Schokolade auf. Aber nur kurz. Der Alkohol ist präsent – 57,5 Prozent stehen hier nicht in der Ecke. Er ist trotzdem nicht scharf. Er ist einfach da. Wie ein schwerer Vorhang, der den Raum füllt.
Palate
Hui. „Nur“ Bourbon Cask – und dann so viel Aroma. Im ersten Moment muss man kurz durch den Alkohol durch. Nicht negativ. Nicht aggressiv. Aber viel ist viel.
Danach geht die Tür auf: Kastanie, dunkles Malz, herbe Schokolade, nussiges Holz. Wieder dieses feuchte Fass. Die einzelnen Nuancen lassen sich kaum fein säuberlich auseinandernehmen, weil alles so kompakt und dunkel ineinandergreift.
Das hier ist das Pumpernickel der Whiskys. Vollkorn. Schwer. Dunkel. Voll. Mit einer Rye-artigen Würze, nur komplexer und weniger geschniegelt.
Finish
Lang. Lang lang.
Und dann kommt er wieder. Du denkst, er sei weg – und plötzlich sitzt der Geschmack wieder da. Dunkles Malz, Holz, Bitterkeit, Wärme. Der Dram brennt sich nicht einfach ein. Er lässt dich zwischendurch immer wieder daran denken, dass er noch da ist.
The Aura
Mossy Green ist die feuchte, moosige Fassluft in der Nase. Dieses dunkle Grün ist kein frischer Waldspaziergang. Es ist Holz, das Regen gesehen hat. Erde, die Gewicht hat.
Roasted Brown steht für den Kern: geröstetes Korn, Kastanie, Pumpernickel und dunkle Schokolade. Das ist der schwere Gaumen. Nicht glatt. Nicht geschniegelt. Voll im Material.
Und Burnt Amber? Das ist die Wärme von 57,5 Prozent. Nicht als scharfer Angriff, sondern als Glut, die auf der Zunge bleibt, in die Holzfasern zieht und später wieder aufflackert.

Mein Fazit zum Pilz Whisky Bourbon Cask
Spannend. Krass. Was ist das bitte?
Ein Whisky wie kaum ein anderer. Die Verwendung des vollen Korns ist hier keine nette Hintergrundinfo für Nerds – sie ist der Charakter. Das erklärt diese massive, dunkle, fast brotige Tiefe. Das Bourbonfass macht ihn nicht geschniegelt süß, sondern gibt dem Ganzen Raum und Struktur.
Ich habe ihn auf der Whisky-Messe probiert und sofort gekauft. Und der Geschmack hing mir lange nach. Auch gedanklich. Das schaffen nicht viele Drams.
Sicher nicht jedermanns Sache. Wer unkomplizierte Vanille, Honig und Easy Sipping sucht, wird hier vielleicht erst einmal irritiert sein. Wer Bock auf etwas Eigenes hat, auf Korn mit Kante und auf eine echte Experience, sollte Pilz Whisky probieren.
Auch Bourbon Cask, aber ne andere Welt: Ardbeg Ten
Die offiziellen Notes zum Pilz Whisky
Für diese auf 60 Flaschen limitierte Edition sind keine belastbar veröffentlichten offiziellen Tasting Notes der Brennerei zu Nase, Gaumen und Abgang auffindbar.
Was offiziell feststeht: deutscher Single Malt, 57,5 % Vol., reine Ex-Bourbon-Cask-Reifung, natürliche Farbe und nicht kühlfiltriert. Das Entscheidende kommt aber offenbar aus dem Spirit selbst – und aus dem vollen Korn, das laut Alex Pilz verwendet wird.
Keine vorgekaute Vanille-Karamell-Erzählung. Vielleicht ist genau das passend.

The Reality Check
Normalerweise trifft an dieser Stelle Labor auf Leben. Die Destillerie sortiert Aromen in feine Einzelteile. Der Genießer erzählt, was davon im Glas wirklich passiert.
Bei Pilz gibt es keine veröffentlichte Marketing-Aromatik, gegen die man antreten müsste. Kein offizielles Flavor-Bingo. Nur Fakten: Bourbonfass, Fassstärke, volles Korn.
Und dann dein Erlebnis: Moos. Feuchtes Fass. Kastanie. Dunkles Malz. Pumpernickel.
Die Fakten liefern die Bauteile. Das Glas baut daraus etwas Eigenes. Bourbonfass bedeutet hier nicht automatisch Vanille und Karamell. Es bedeutet Bühne für einen Spirit, der dunkel, körnig und ungewöhnlich ist. Kein Widerspruch. Eher der Beweis, dass Whisky nicht immer schmecken muss, wie die Kategorie es erwartet.

