Neue Destillerien gibt es gerade viele. Neue Gebäude, neue Brennblasen, neue Versprechen. Mehr Rauch. Mehr Fass. Mehr Stärke. Mehr alles.
Tormore macht gerade das Gegenteil. Und genau deshalb fühlt es sich neu an.
Denn Tormore ist keine neue Destillerie. Sie wurde 1959 gebaut, liegt in der Speyside zwischen den Cromdale Hills und war über sechzig Jahre lang vor allem eines: ein starker Bestandteil großer Blends. Viel Whisky. Wenig Rampenlicht. Eine Brennerei mit einer eigenen Architektur, einer langen Geschichte und einem riesigen Lagerbestand – aber lange ohne den Platz im Regal, den sie eigentlich verdient hätte.
Dann kamen Sukhinder und Rajbir Singh mit Elixir Distillers.
Eine große Geschichte, ganz entspannt erzählt
Sukhinder Singh hat diesen besonderen Vibe. Er erzählt dir von einer neuen Islay-Destillerie, die gerade gebaut wird, und von fünf bis zehn Jahren Wartezeit, bis dort wirklich Whisky aus den Fässern kommt. Und dann erzählt er fast nebenbei, dass man eben zusätzlich etwas Bestehendes wollte. Etwas mit Geschichte. Mit Substanz. Mit Whisky im Lager.
Also wurde mit Pernod Ricard verhandelt. Tormore wurde gekauft.
Natürlich ist das die sehr verkürzte Version einer ziemlich großen Transaktion. Aber genau diese Gelassenheit war hängen geblieben. Kein „Wir verändern jetzt alles“. Kein großes Brustklopfen. Eher die Haltung: Da ist etwas Gutes. Lass es uns endlich sichtbar machen.
Und ehrlich: Genau so schmeckt die neue Tormore-Range auch.




Gegen den Trend. Aber nicht aus Prinzip.
Whisky kann heute schnell nach Wettbewerb aussehen. Wer hat das extremste Fass-Finish. Wer füllt mit den meisten Prozenten ab. Wer packt noch eine Schicht Rauch, Wein, Gewürz oder exotischen Spirit auf den Spirit.
Tormore wählt einen anderen Weg. Nicht, weil sie weniger wollen. Sondern weil sie wissen, was sie wollen.
Frucht. Frische. Eleganz.
Die neue Core Range mit Tormore Timeless, Tormore 12 Jahre und Tormore 16 Jahre Sherry Cask setzt den natürlichen Destilleriecharakter nach vorne. Das Holz soll stützen, nicht dominieren. Der Whisky soll nicht durch Lautstärke gewinnen, sondern durch Klarheit.
Bäm.
Das klingt auf Papier angenehm konservativ. Im Glas ist es ziemlich spannend.

Pfirsich auf dem Blatt. Pfirsich im Glas.
Das ist nicht selbstverständlich. Oft lesen sich Destillerie-Notes wie ein Wunschzettel. Irgendwo sollen dann noch fünf Früchte, drei Gewürze und ein geheimnisvoller Spaziergang durch einen imaginären Wald auftauchen. Man kann alles hineininterpretieren. Oder gar nichts.
Bei Tormore war das anders.
Das Tasting wurde von Oliver Chilton, Head Blender bei Tormore, geführt. Und eine Sache hat mich wirklich überrascht: Die offiziellen Tasting Notes waren spot on.
Steinfrucht. Pfirsich. Frische. Eleganz. Das stand da. Und das war im Glas. Bei allen drei Whiskys.
Der Timeless bringt diese helle, unkomplizierte Seite nach vorne: Vanille, Zitronenzeste, süße Würze, Geißblatt und Pfirsichtee. Frisch, offen, easy. Ein Whisky für warme Tage, für Highballs, für den Moment, in dem man keinen komplizierten Abend braucht, um einen guten Dram zu trinken.
Der 12-Jährige war mein persönlicher Favorit. Einfach lecker. Punkt. Pfirsich-Cobbler, Birne, cremige Noten, etwas Vanillefudge, Mandeln und Kokos. Das klingt süß. Ist es aber nicht auf diese schwere, klebrige Art. Es bleibt leichtfüßig. Fruchtig. Balanciert. Der Whisky macht nicht viel Lärm, aber er bleibt im Kopf.
Der 16-Jährige ist ebenfalls klasse. Mehr Sherry. Mehr Tiefe. Mehr klassischer After-Dinner-Whisky. Brioche, Datteln, Fudge, Zitronenöl, Blaubeermarmelade. Alles gut gemacht. Aber gerade das bewusste Weglassen beim Timeless und beim 12er fand ich bei Tormore so spannend. Dort ist die DNA am klarsten zu sehen: Der Spirit darf sprechen.




Mein Fazit zu Tormore
Tormore ist nicht der Whisky, der dich anbrüllt. Er ist der Whisky, bei dem du nach dem zweiten Schluck merkst, dass du gerade sehr genau zuhörst.
Die neue Range zeigt eine Brennerei, die lange im Hintergrund gearbeitet hat und jetzt mit einer ziemlich klaren Haltung nach vorne kommt. Frucht statt Lärm. Frische statt Schwere. Eleganz statt Effekthascherei.
Mein Favorit des Abends war der Tormore 12. Der Timeless hat mich mit seiner Frische überrascht. Und der 16er zeigt, dass Tormore auch mehr Tiefe und Sherry kann, ohne seine DNA zu verlieren.
Die detaillierten Reviews zu allen drei Abfüllungen kommen noch. Dann mit mehr Zeit, mehr Glas und weniger Tasting-Tisch.
Aber der erste Eindruck steht.
Tormore ist zurück.
Nicht mit einem Knall.
Sondern mit Pfirsich im Glas.

