Kilkerran Heavily Peated will nicht geschniegelt gefallen. Gut so. Dieser Dram kommt mit ordentlich Volt ins Glas, aber sein Rauch spielt nicht das übliche Islay-Lagerfeuer. Er riecht nach warmem Maschinenöl, nach Metall, nach Werkstattluft. Dann zieht Kirsch-Menthol vorbei, irgendwo zwischen Wick-Bonbon und Hochprozentigem.
Die Fakten
Kilkerran Heavily Peated
Campbeltown | NAS | 58,6 % Vol. | meist 90 % Ex-Bourbon / 10 % Ex-Sherry
Meine Notes
Nase:
Der hohe Alkoholgehalt macht sich sofort bemerkbar. Scharf, präsent, fast ein kleiner Angriff. Dann öffnet sich die Tür: Kirsch-Menthol, Wick-Bonbons, kühle Frische. Der Rauch bleibt überraschend im Hintergrund – jedenfalls zunächst.
Aber wenn er kommt, dann anders. Nicht nach klassischem Holzrauch. Nicht nach Islay-Strand und nassem Torf. Eher ölig, industriell, warm. Wie Maschinenöl auf Metall, das gerade noch Sonne gespeichert hat.
Gaumen:
Auf der Zunge steht der Rauch direkt da. Jetzt klarer, aber weiter nicht holzig. Öliger. Schwerer. Funky.
Dazu Nüsse, viel Getreide und ein spannender Rye-Vibe, der sich nicht ganz greifen lässt. Etwas Speckiges kommt dazu, irgendwo schimmert Brandy durch. Der Alkohol macht es nicht leicht: Er betäubt hier und da, legt einen kleinen Schleier über die Details.
Ein paar Tropfen Wasser ändern das Spiel. Plötzlich wird die Bühne heller. Da ist Sherry. Nicht dominant. Aber da. Ein kleiner dunkler Akzent in einem ansonsten sehr eigenwilligen, sehr Campbeltown-artigen Dram.
Abgang:
Der Rauch hat seinen dritten Auftritt. Jetzt bleibt er klassisch peated am Gaumen hängen, begleitet von Menthol-Frische und einem warmen, malzigen Getreide-Eindruck. Mittellang. Ölig. Unverkennbar.
Die Aura
Oily Grey ist der Rauch, der nicht brennt, sondern arbeitet: warmes Maschinenöl, Metall, eine dunkle Werkbank.
Cold Mint steht für Kirsch-Menthol, für den alkoholischen Frischezug, der die Nase kurz freipustet.
Und Toasted Umber? Das ist nussiges Korn, Speck, ein Hauch Sherry und diese warme Tiefe, die den Funk wieder einfängt.

Mein Fazit zum Kilkerran Heavily Peated
Ein sehr interessanter Whisky. Und vor allem: ein sehr anderer.
Kilkerran zeigt hier ziemlich klar, warum Campbeltown so viele Fans hat. Der Dram hat Ecken, Öl, Getreide und eine eigene Sprache. Er kopiert keinen Islay-Rauch und macht keine Gefangenen beim ersten Schluck.
Für Einsteiger kann das überfordern. Für Menschen, die schon ein paar Whiskys im Regal haben und endlich mal wieder etwas Neues erleben wollen, ist er eine starke Ergänzung. Funky. Signature. Echt cool.
Auch stark und mit Rauch: Ardnamurchan Cask Strength
Die offiziellen Notes zum Kilkerran Heavily Peated
Hier die offizielle Version der Destillerie zum Vergleich:
Nase:
Cremiges Butterscotch, Bananenfritter und Holunderblüte. In anderen Batches auch Honigwabe, Vollkorntoast, gegrillte Meeresfrüchte und rauchiger Speck.
Gaumen:
Torfrauch, Honigmelone und Ibérico-Schinken. Je nach Batch zusätzlich Zitrus-Shortbread, Schinken und süßliche Melone.
Abgang:
Anhaltender Rauch mit Verbene und Honigwabe. Alternativ werden Zitronenzeste, Puderzucker und ein süß-buttriges Mundgefühl genannt.
Der Reality Check
Wo Kilkerran Honigwabe, Melone und Butterscotch sieht, bekomme ich Kirsch-Menthol und Werkstattluft. Wo sie Ibérico-Schinken nennt, bleibt bei mir ein öliver, speckiger Eindruck hängen. Gleiche Richtung. Andere Sprache.

